Die Gaußsche Normalverteilungskurve

Sie ist eine sog. Wahrscheinlichkeitsverteilungskurve. Wegen ihres Aussehens nennt man sie auch Glockenkurve. Ersichtlich ist, Extreme wie Hoch- oder Minderbegabung sind selten.

Was bedeutet diese Verteilungskurve für den Bereich der Intelligenz?

1) der überwiegende Teil der Menschen hat einen GesamtIQ zwischen 85 und 115. Prozentual sind das ca. 68 % eines jeden Jahrganges. Man spricht von durchschnittlicher Begabung.

2) Rechts und links dieser überwiegender Mehrheit befinden sich Menschen mit einem unterdurchschnittlichen (zwischen 70 und 85) bzw. überdurchschnittlichen IQ (zwischen 115 und 130). Es handelt sich um etwa 13 bis 14 % der Bevölkerung in jedem der beiden Bereiche.

3) Nur 2.1 % jedes Geburtsjahrganges liegen unter 70 bzw. über 130. Hier spricht man von weit unterdurchschnittlicher Begabung bzw. von weit überdurchschnittlicher Begabung oder wie oft gesagt, von Hochbegabung.

Ganze 0.1% erreichen bei einem genormten Intelligenztest nicht den Wert von 55 bzw. einen Wert von über 145.

In der Fachsprache spricht man von einem intellektuellen Potenzial. Wie jedes Potenzial bedarf es a) der Erkennung und b) auch der Förderung. Nur so wird aus Hochbegabung eine sog. Hochleistung. Diese wird im Volksmund jedoch oft mit „hochbegabt“ gleichgesetzt.

 Es gibt nicht die Hochbegabung. Die Gaben oder Geschenke (gifts) an die Menschen sind auf versch. Bereiche verteilt. Intellektuelle Fähigkeiten, die mit einem Test festgestellt werden, betreffen den mathematischen und den sprachlichen Bereich und Aufgabenerledigungsmechanismen. Daher ist es Unsinn, einen IQ-Test nur einfach mal so zu machen bzw. einen sog. Internettest zu verwenden. Dieser findet in Fachkreisen keine Anerkennung, denn es gehören zur ordnungsgemäßen Durchführung eben die versch. Parameter, die aus gutem Grund hier nicht näher ausgeführt werden. Bei Vorliegen von triftigen Gründen zur Durchführung eines Tests helfen wir gern mit entsprechenden Ansprechpartnern weiter

(Karin Wanzek, 2014).

 

Münchner Hochbegabungsmodell (Heller und Perleth 2007)

Dieses Modell ist als Ergänzung zu den Erklärungen der sog. Glockenkurve gut geeignet.

Neben dem schon erwähnten Potenzial eines jeden Menschen gibt es versch. Faktoren, die direkt oder indirekt auf die Umsetzung von Potenzial in gezeigte Leistung Auswirkungen haben.

Dazu gehören die sog. Umweltfaktoren, die neben dem Bereich Familie auch den Bereich der Schule  umfassen. Hier sind die Instruktionsqualität und das sog. Klassenklima als hemmend oder förderlich für die Entfaltung des Potenzials anzusehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Bereich der Familie. Ein bildungsoffenes Familienklima hat neben anderen Aspekten des Zusammenlebens einen enormen Stellenwert im Rahmen gelingender Entwicklung.

Die Merkmale, die ein Mensch direkt im negativen wie auch im positiven Sinn beeinflussen kann, sind die oben aufgeführten Moderatoren. Wie gehe ich mit Stress um, kann ich mich motivieren, zeige ich ein gut ausgeprägtes Lern- und Arbeitsverhalten usw.

Sind die Moderatoren und die Umweltmerkmale im sogenannten „grünen Bereich“, dann kann Begabung in Leistung sichtbar werden. Gibt es in einem oder mehreren Bereichen  Hemmnisse oder Probleme, dann wird die Leistungsausbildung u. U. behindert. Das wiederum hat dann eine sog. Minderleistung zur Folge.

Wie man sieht, gibt es für gelingende und ebenso nicht gelingende Begabungsentfaltung keine monokausalen Gründe. Es ist nötig und lohnt sich in jedem Fall, genau hinzusehen bzw. zu erarbeiten, welche Wechselwirkungen bestehen. Einseitige Schuldzuweisungen sind schnell ausgesprochen und helfen nicht.

(Karin Wanzek, 2014)


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